Urs Huber – The Crocodile Man

Team BULLS

Mit dem Sieg  der „Crocodile Trophy 2016“ setzte der Schweizer BULLS Profi Urs Huber im Australischen Outback seine beachtliche Siegesserie fort. Zum vierten Mal gewann Urs nach 2009, 2010 und 2015 sein Lieblingsrennen rund um Cairns im Bundesstaat Queensland.

Die Story der Crocodile Trophy

Die „Crocodile Trophy“ gehört zu den schwersten MTB-Etappenrennen der Welt. Vor 22 Jahren starteten die Veranstalter mit der Ambition, eine „Tour de France“ für Mountainbiker zu kreieren. Damals ging das Etappenrennen über drei Wochen und erfüllte diesen Anspruch mit 2.000 Kilometern Gesamtlänge und Tagesetappen von über 190 Kilometern. Mittlerweile hat sich das Format der „Crocodile Trophy“ den modernen Etappenrennen angenähert und ist mit acht Tagen, rund 650 Km und 13.000 Hm noch immer sehr schwer, aber  kürzer geworden. „In meinen ersten beiden Jahren war die „Crocodile Trophy“ eher ein Straßenrennen mit dem Mountainbike. Damals ging es auf unendlich langen Etappen über nicht enden wollende „Dirtroads“. In den letzten beiden Jahren wurde es wesentlich technischer mit mehr Singeltracks und Höhenmetern“ , konstatiert Urs über seine bereits fünfte Teilnahme in Australien.

Das Survival-Rennen

Die „Crocodile Trophy“ beschreibt Urs als eine Art „Survival Camp“ im Outback. Sie sei nicht zu vergleichen mit einem Cape Epic oder einer Transalp. Hier sei er Mechaniker, Betreuer und Fahrer in einer Person. Dagegen fühle er sich  beim Cape Epic schon fast wie ein „König“, da sich seine Aufgabe ausschließlich aufs Rennen fahren begrenze. Den Rest übernehmen dort die Teambetreuer. Aber genau das mache auch den Reiz der „Crocodile Trophy“ für den Schweizer aus. „Mit nur 80 Teilnehmern sei die Atmosphäre fast schon familiär. Alle schlafen im Zelt , das verbindet“ , so Urs zum Charme des Rennens im Nordosten Australiens.

Die äußeren Bedingungen machen es den Teilnehmern zudem nicht leicht. Um sechs Uhr klingelt der Wecker, um acht Uhr fällt bereits der Startschuss, bei angenehmen 30°. Die Temperaturen schaukeln sich dann allerdings über den Tag  bis zu 50° hoch und  hinzu kommt eine hohe Luftfeuchtigkeit. „Wenn man bei diesen Bedingungen einmal überzieht, fährt man quasi  gegen eine Wand, dann geht erst mal nichts mehr,“ so Urs über die äußeren Bedingungen. Die Strecke führt über  acht Etappen und durch drei Klimazonen. Erst der Start am Ozean in Cairns , danach führt die Strecke durch den Dschungel und dann ins Outback/ Wüste. Danach das Ganze wieder zurück nach Cairns. „Das muss der Organismus inklusive Rennbelastung, erst einmal wegstecken“ resümiert Urs über die Gesamtbelastung der „Crocodile Trophy“.

„Crocodile Trophy“ 2016

Als Vorjahressieger brachte Urs die nötige Erfahrung mit und er hatte sich auch eine Taktik zurecht gelegt. Der Einstieg in die Rundfahrt war ein Cross Country-Rennen. Hier war sein schärfster Konkurrent Sebastien Carabin im Vorteil und Urs sah wenig Chancen auf einen Sieg. So gingen die erste Etappe und das Gelbe Trikot an den Belgier.

Die zweite Etappe über 116 Kilometer und 2.700 Höhenmeter lag dafür mehr im Profil und auch im Fokus des Marathonspezialisten. Die Taktik ging auf und Urs holte sich mit über 3 Minuten Vorsprung den Etappensieg, übernahm die Gesamtführung und damit auch das gelbe Trikot. Von da an hatte er sich die Marschrichtung „Verwalten“ vorgegeben. Der junge Belgier machte es dem BULLS-Piloten allerdings nicht leicht. Von Etappe drei an führten sie ein Kopf an Kopf Rennen. Es trennten sie nur 1:30 Minuten im Gesamtklassement. Das ist zu wenig, um von einem Zeitpolster zu sprechen und sich sicher zu fühlen.

Spannend wurde es  noch einmal am 4. Tag als Urs einen Platten bekam und der Belgier dies als Aufforderung verstand, zu attackieren. Glücklicherweise konnte Urs den Platten dank „Sahmurai Sword“ schnell beheben und er schloss auf seinem Hardtail „Black Adder Team“ die auf eine Minute angewachsene Lücke durch einen gewaltigen Kraftakt. „Dies war eine rennentscheidende Situation“. Nach seinem Anschluss zur Spitzengruppe wurde Urs deutlich und stellte klar: „Dass das „Gelbe Trikot“  bei einem Defekt nicht attackiert werden darf, dies verlange der Respekt unter Sportsmännern.“ Mit dem Kraftakt inklusive Machtwort hatte Urs seine Position im Feld nun klar beschrieben. Die darauffolgenden vier Etappensiege unterstrichen seine sportliche Souveränität.

Wie eng der Zweikampf schlussendlich ausgetragen wurde, zeigte noch einmal das abschließende Zeitfahren über 30 Kilometer, bei dem sich Urs nur um 5 Sekunden gegenüber dem Belgier Sebastien Carabin durchsetzen konnte. „Wir waren gleich stark und haben uns bis zur letzten Etappe ein hartes Rennen geliefert. Da bin ich umso glücklicher über meine Leistung zum Saisonende und dem erneuten Sieg bei der „Crocodile Trophy,“ so sein Statement nach der Zieleinfahrt  am Strand von Cairns.

„Und auf was er sich jetzt am meisten freue?“ fragten die Reporter. Wir ahnen es: „Einen Sprung in den Ozean und danach auf eine warme Dusche und eine weiche Matratze.“ Das sei ihm gegönnt!