Homestory Urs Huber

Team BULLS

Urs Huber – Privat

Was ist das sportliche Geheimnis von Urs Huber?  Bei Mountainbike-Marathons taucht er auf und hinterlässt ein: Kam, startet und siegte. Aber wer ist dieser sympathisch anmutende Biker aus dem Alpenvorland wirklich? Was macht ihn als Spitzensportler und Mensch aus?  Ein Hausbesuch in seinem Schweizer Domizil zwischen dem Zürich- und Zugersee bringt uns einem interessanten Menschen näher. Dort erfahren wir auch etwas Überraschendes: Etwa dass im Apfel das Sinnbild seines sportlichen Erfolgs liegt.

Zwischen Zürich und Luzern geht es von der Autobahn A4 ab und von da an werden die Straße immer schmaler und schmaler bis diese mehr einem Sträßchen ähneln. Irgendwo hier zwischen sanften Hügeln, Feldern und Streuobstplantagen liegt der Geburtsort und elterliche Hof von Urs Huber. Alles sieht sehr nach Schweiz aus: gepflegte Pampa mit einem großen Hang zur Idylle und einem wunderbaren Alpenpanorama im Hintergrund. Allerdings lässt nichts vermuten, dass hier einer der besten Mountainbike-Marathonfahrer der Welt wohnt, und vor allem trainiert, denn was an diesem schönen Flecken der Schweiz fehlt, sind: Wald, Trails und lange Anstiege. 

Grüezi wohl

Wenn man von Urs begrüßt wird, bekommt man mit seinem wohlwollend klingenden schweizerdeutschen „Grüezi“ immer auch ein Lächeln geschenkt. Mit Stolz präsentiert er sein neues Haus, in dem er seit einigen Monaten mit seiner Frau Simone wohnt. Simone Huber ist Physiotherapeutin des BULLS- Teams und betreibt im Untergeschoss eine kleine Sportphysio-Praxis.

Beim Betreten des Hauses fällt dem Besucher gleich auf, dass hier jemand wohnt, der weiß, was er will. Das Haus hat Urs mitentworfen und es trägt seine Handschrift. Eine klare Architektur mit Galerie eröffnet sich im Inneren, sehr geschmackvoll und hochwertig eingerichtet. Dem Besucher fällt sogleich die warme Atmosphäre auf. Zunächst lässt nichts darauf schließen, dass hier ein Bike Profi wohnt.

Erst beim Betreten des Badezimmers im Obergeschoss kommt der Profisportler durch, denn dort ist ein Dampfbad integriert. Selbstverständlich mit Kältebecken, wie Urs bestimmt betont. Das Dampfbad nutze er fast täglich, dass sei sein Luxus, den er sich als Radprofi gönnt. Aber spätestens der Keller verrät, dass Urs sein Geld mit Radfahren verdient. Beeindruckend sind die Kostbarkeiten von BULLS aufgereiht. Es schließt sich eine gut sortierte Fahrradwerkstatt an, die es locker mit der eines Radladens aufnehmen kann.

Der Fleißarbeiter

Um dem Erfolgskonzept des 31 jährigen Schweizer Marathon Meisters näher zu kommen, lohnt sich ein Besuch auf Urs Streuobstwiese. Knapp 10 Kilometer von seinem jetzigen Wohnort entfernt, befindet sich der Hof seiner Eltern. Er ist umgeben von mehreren Hektar Streuobstwiesen. Der gelernte Landwirt hat nach seiner Ausbildung die Obstplantage komplett übernommen und bewirtschaftet nun neun Monate im Jahr Birnen- und Zwetschgen- aber vor allem Apfelbäume. Der Huber Hof ist vor allem für seine Äpfel berühmt, sogar so berühmt, dass Kunden aus Zürich den Weg auf sich nehmen, um im Hofladen einen 2,5 Kg Beutel Äpfel bester Qualität zu ergattern.  Bis zu 3.000 dieser Beutel produziert Urs jährlich, hinzukommen Birnen, Zwetschgen wie auch Apfelsaft aus Fallobst. Alle Köstlichkeiten reichlich begehrt, sodass die Ernte bereits im Frühjahr ausverkauft ist.

Wenn Urs so über seine Äpfel sinniert, hört man die Leidenschaft heraus, die er auch für den Bikesport aufbringt. Die Parallelen erschließen sich für Urs klar: „In der Landwirtschaft wie auch im Sport wird erst investiert und dann geerntet. Aber es gehört auch Glück dazu, denn ein Sturz oder eine Krankheit, wie auch ein Hagelschauer können einem die Ernte ganz schön versauen.“ Ein Gleichnis, dem sich Urs jeden Tag aufs Neue stellt, morgens auf dem Rad, nachmittags zwischen den Bäumen.

So beginnt der Tag früh für Urs. Der bekennende Frühaufsteher schwingt sich bereits gegen 8 Uhr auf sein Rad. Quasi dann, wenn der gemeine Radprofi erwacht, hat Urs bereits die ersten Kilometer in den Beinen. Bis mittags wird trainiert, dann eine kleine Mahlzeit zu sich genommen, anschließend geht es auf den Hof. Diesen Rhythmus pflegt Urs von Mitte März, beginnend mit der Baumpflege nach dem „Winterschlaf“, bis kurz nach der Ernte im Oktober. Danach kehrt etwas Ruhe in seinen Alltag ein und er kann sich bis nach dem Cape Epic vollständig auf den Sport konzentrieren. Einen Großteil seiner Arbeit an den Bäumen bezeichnet er als „Fleißarbeit“. Dabei behalte er aber auch immer die Qualität im Blick, denn auf diese komme es ja schließlich an. Wenn man Urs so reden hört, weiß man nicht genau, von welcher Passion er spricht, ob von der zum Sport oder zu Äpfeln.

Sein Trainingsstil: Umfang, Umfang, Umfang...

Dieser Fleiß, sein akribisches Arbeiten, das Investieren in den Sport, dies sind die Attribute, die Urs schnell machen. Er verfolgt kein ausgeklügeltes Trainingssystem, auch einen expliziten Ernährungsplan wird man bei Urs vergeblich suchen, genauso wie eine Waage. Hierbei unterscheidet er sich sichtlich von vielen Spitzensportlern. Dennoch, sein Erfolg gibt ihm Recht und die Gewissheit, das Richtige zu tun. Die Konstanz, die er seit 2007 hinlegt und auch wieder 2016 mit über 16 Saisonsiegen unter Beweis gestellt hat, sind beachtlich. Sie kommen aber auch nicht von ungefähr: Zwischen 23 – 33.000 Kilometer spult Urs im Jahr meist auf dem Rennrad (Night Hawk Team) runter. „Nie flach, immer wellig bis bergig“, wie er betont, „ die Anstiege in einem ordentlichen Tempo, aber nicht am Limit“ - so sieht der Trainingsstil eines der besten Marathon Bikers der Welt aus. Er liebt es, sehr lange zu fahren, morgens aufs Rad zu steigen und abends wieder runter. Am liebsten fährt er auch mal von A nach B, übernachtet in einem Hotel und fährt am nächsten Tag wieder zurück, alles alleine, ohne Trainingspartner, alles in seinem Tempo. Dies mag profan klingen, doch hat er über die Jahre ein sensibles Gespür entwickelt und weiß, was ihn besser macht. Zu seinen Trainingsworkouts zählt auch Frühsport und zwei Mal pro Woche absolviert er ein Krafttraining. Mit Intervalltraining ist Urs allerdings nie richtig warm geworden. „Klar habe ich das auch schon ausprobiert, es gibt ja viele Kritiker meines Trainingsstils, die mir auch unheimliches Potential versprochen haben, wenn ich kürzer und härter trainieren würde. Aber am leistungsfähigsten bin ich nun mal, wenn ich nur Umfang, Umfang und noch mal Umfang trainiere und das in meinem Tempo“.

Der Siegfahrer

Wer so viel in den Sport gibt, der will auch wieder was zurück. So entwickelte Urs über die Jahre einen Siegeswillen der seinesgleichen sucht. Wer mit Urs Rennen fährt, muss sich auf einen harten Kampf gefasst machen. Urs macht keine Geschenke, aber er will auch keine! Jedes Rennen wird voll ausgefahren. Wer gewinnen will, muss sich das verdienen, so seine Einstellung. Dabei ist es egal, ob es sich um eine WM oder um einen Swiss Cup handelt. Urs ist ein richtiger Sportsmann, dessen faire Fahrweise im Wettkampf geschätzt wird. Genau deshalb gönnen ihm seine Mitstreiter auch den erarbeiteten Erfolg. Seine uhrenwerkhaften Siegesserien brachten ihm in der Szene seinen Spitznamen „Swiss Machine“ ein. „Der Urs läuft halt wie ein Schweizer Uhrwerk und wenn das mal richtig aufgezogen ist, dann läuft das erst mal eine Weile und ist eine „sichere Bank“ für Erfolge“, so Team Manager Friedemann Schmude über seinen Schützling im Team.

Der Schweizer

Trotz des ganzen Erfolgs, ist Urs ein sehr bescheidener Mensch geblieben. Seine zurückhaltende, ruhige Art mag für Fremde arrogant wirken, doch ist es genau das Gegenteil. Urs macht auf der Rennstrecke seinen Job und wenn dieser mit einem Sieg belohnt wird, umso besser. Dieser Erfolg veranlasst ihn nicht, sich über andere zu stellen. Er begegnet jedem Sportkameraden mit Respekt. Seine Team BULLS Teamkollegen beschreiben Urs mit den typischen Schweizer Attributen: „Pünktlich, genau, unheimlich loyal und neutral, freundlich, unkompliziert, verhält sich ganz ruhig in der „Mitte“ des Teams und er mag halt einfach schnell Rad fahren.“ Und so lange er noch schnell Rad fahren kann, will er auch dem Mountainbike Sport treu bleiben. „Auf dem Höhepunkt möchte ich abtreten“ Ohne Erfolg kann sich Urs den Sport also nicht vorstellen. Dann mache er lieber lange Radtouren, ganz allein für sich, solange er will und wohin er will, einfach los fahren. Aber bis es auf diese Radtouren geht, wird es wohl noch eine Weile dauern. Wollen wir es mal so ausdrücken: Das Feld ist bestellt, die Bäume tragen ihre Früchte und der Obstspeicher ist noch lange nicht ganz voll.

Urs, vielen Dank für deine Gastfreundschaft, viel Glück für deine sportliche Zukunft, bleibe dir treu.