Texi erklärt die Enduro-Welt

Gravity Team

Flow, Run, Pushen, Segeln... wenn der 25 jährige Enduro-Profi Christian Textor über seinen Sport spricht, hört sich das für die meisten vielversprechend, modern und anregend an. Doch die wenigsten verstehen wirklich was er da sagt, geschweige denn, was es mit dem Enduro-Sport genau auf sich hat. Dabei entwickelt sich diese Sportart rasant und erfreut sich bei einem wachsendem Biker-Publikum größter Beliebtheit. In ganz Europa sprießen Enduro-Rennen mit bis zu 600 Teilnehmern aus den Bergen. Jahr für Jahr kommen neue Bikes auf den Markt und am Zeitungskiosk füllt sich das Regal mit Enduro-Mags, MountainBIKE Magazin Sonderheften etc. . Gemeinsam mit dem Deutschen Meister, Christian Textor, genannt „Texi“, wollen wir etwas mehr über das Phänomen „Enduro“ erfahren.

 

Wie funktioniert eigentlich ein Enduro-Rennen?

Kurz gesagt, es kombiniert das Bergauffahren im Gelände mit technisch anspruchsvollen Abfahrten die Freeride–Elemente wie Anlieger, Sprünge, North-Shore-Trails, etc. enthalten. Vergleichbar mit den populären Auto-Rallys, wird allerdings nicht die Gesamtfahrzeit gewertet, sondern die Summe einzelner Zeitabschnitte, sogenannte „Stages“.  Dazwischen findet „nur“ eine Überführung zur nächsten „Stage“ statt. Nur in Anführungszeichen, da die Überführung überwiegend bergauf geht. Die „Stages“ dagegen gehen profiliert bergab, so wird neben Fahrtechnik auch Kraft und Kondition gefordert. Bei einem Enduro-Rennen gibt es zwischen 5-10 solcher „Stages“ mit unterschiedlichen Anforderungsprofilen und Längen. Eine durchschnittliche  „Stage“ beträgt zwischen 5-10 Minuten Fahrzeit, die Gesamtzeit des Rennens kann bis zu vier Stunden dauern. Am Ende gewinnt der Fahrer, der die kürzeste Fahrzeit in der Summe aller „Stages“ hat.

Als wäre die Verwirrung über den Enduro-Sport nicht schon groß genug, stiften die Bikes weitere Verwirrung. Neben All-Mountain, Downhill-, Four Cross-, Freeride- und Trail-Bikes gibt es auch noch spezielle Enduro-Bikes. Um hier weiter Klarheit zu schaffen, lassen wir uns vom Deutschen Enduro Meister 2015/16 „Texi“ den Enduro-Sport erklären und steigen direkt mit der Frage des Bikes ein.

Interview: Texi erklärt die Spielregeln des Enduro-Sports

Natürlich gibt es für verschiedene Umgebungen auch unterschiedlichste Idealbikes. Aber grundsätzlich ist man mit allen Fullsuspension Bikes auf 27,5“ oder 29“ Basis, zwischen 140 und 160mm Federweg und einer abfahrtsorientierten Geometrie (Flacher Lenkwinkel, tiefes Tretlager, kurze Kettenstrebe, langes Oberrohr/Reach, kurzer Vorbau) gut bedient. Die Bikes sind zudem von der Geometrie her Tourentauglicher als reine Abfahrtskünstler wie bspw. ein Freeride-Bike.

Überall wo es geeignetes Gelände dafür gibt, wobei natürlich Berge und Trails die Qualität des „Spots“ ausmachen. Wer einen Bikepark bei sich in der Nähe hat, wird dort natürlich auch viel Spaß haben. Aber das ist ja das tolle am Enduro-Biken, dass man das überall machen kann.

Für jeden der Lust auf Biken im Gelände hat und besonders fahrtechnische Herausforderungen sucht. Enduro funktioniert super allein oder in der Gruppe, auch wenn man auf verschiedenen Leistungs-Levels fährt. Im Rennformat sind die Starterzahlen begrenzt und man fährt in kleinen Gruppen zwischen den „Stages“. Die einzelnen Stages befährt man dann aber alleine auf Zeit.

Auch bei uns gilt: Im Wintertraining werden die Rennen gewonnen. So fängt die Saison schon im Herbst mit dem Training an. Im November fahren wir einen Laktattest, danach geht´s dann los mit systematischem Training.

Die Renn-Saison geht in Europa von März bis September. In diesem Zeitraum ist fast jedes Wochenende ein Wettkampf, dazwischen füllen sich die Tage dann mit Reisen, Training, Media Projekten, Bikes richten...

Ich schätze die schönsten Rennen sind die World Series in Chile oder der „Megavalanche“ auf La Reunion.  Leider habe ich es bisher noch nicht geschafft, an diesen tollen Orten mitzufahren. Meine Favoriten waren dieses Jahr die Enduro-Rennen in Willingen, Treuchtlingen und Schöneck. Dort gab es super spaßige und anspruchsvolle Stages. Wer sich einmal an einem Rennen versuchen möchte, sollte einen Stopp bei der „Enduro One“ Series einlegen, dort ist alles professionell organisiert und das Format ist absolut Jedermanns tauglich.

Natürlich gehört Grundlagentraining auf dem Rennrad oder XC-Bike dazu und ebenso Zeit im Fitnessstudio. Aber am wichtigsten ist letztendlich, viel Zeit auf seinem Enduro-Bike zu verbringen, um die technischen Fähigkeiten im Gelände zu optimieren.

Natürlich funktioniert das Eine keineswegs ohne das Andere. Aber man kann schon sagen, dass die technische Komponente überwiegt, da man sich die Kondition leichter antrainieren kann, als das fahrtechnische Können. Das Leistungslevel in den Rennserien ist allerdings so hoch, dass man als unfitter Fahrer aber super Techniker auch keine Chance hat vorne mit zu fahren.

Gute Frage! Man muss schneller als alle anderen deutschen Enduro-Fahrer sein!

Konkreter gesagt, sollte man super fit sein, schnell biken können und nach Defekten oder Stürzen auf den „Stages“ nicht aufgeben, sondern einen kühlen Kopf bewahren und weiter Vollgas geben. Wenn man dann als Grundlage noch ein super Team und Unterstützung durch professionelle Leute um sich herum hat, kann dann ein deutscher Meistertitel bei herauskommen;)! Dabei spielt vor allem auch meine Frau Katrina, die gleichzeitig auch mein wichtigster Support ist, eine tragende Rolle.

Das Fahrrad war schon immer mein liebstes „Spielzeug“. Dann hatte ich als Vorbild meinen älteren Bruder der schon damals „verrückte“ Sachen auf seinem ganz normalen Mountainbike gemacht hat. Dass wollte ich dann als kleiner Bruder natürlich auch können. Somit bin ich schon recht früh mit meinem kleinen Fahrrad über Sprungschanzen und andere Konstruktionen aus Holz und Erde geflogen. Dann hatten irgendwann Bike-Filme und Magazine großen Einfluss auf mich genommen und mich inspiriert. Mit der Zeit lernte ich einige Tricks und verbesserte mich soweit, dass ich den Mut hatte mich zu den ersten „Dirt Jump Contests“ anzumelden. Ein guter Freund hat mich dann überredet ein Downhill Rennen mit zu fahren und von da an hat mich der Rennsport dann endgültig infiziert.

Ausblick: Titelverteidigung mit neuem Enduro-Bike

In der kommenden Saison geht es um die Titelverteidigung und darum, den Anschluss an die Weltspitze herzustellen. Dafür arbeitet „Texi“ seit Mitte des Jahres mit den BULLS Bike Ingenieuren am Konzept zum perfekten Enduro-Bike. Dieses soll nicht nur den Ansprüchen des Deutschen Meisters genügen, vor allem soll es begeisterten Enduro Bikern genauso viel Spaß machen, wie ihm selbst. Denn um Spaß und Naturverbundenheit geht es dem bei Siegen lebenden Bike-Profi auf den heimischen Trails. Dort will er mit seinem neuen Bike den perfekten „Run“ machen, den „Flow“ erleben und bei „Jumps“ richtig weit „segeln“...

Vielleicht  verstehen wir jetzt, was er uns mitteilen will und spüren was er meint.

Texi, vielen Dank für das Interview und den Einblick in die Enduro-Welt. Viel Erfolg für 2017!

 

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